Frankfurt: eine kurze Runde ist auch ein Plan
Helga Staab über überschaubare Vorhaben in Frankfurt: Wege, Rückfahrt und offene Fragen zur Zugänglichkeit. Eine Planungsnotiz, kein getesteter Ausflug.
Wenn ich mir für einen Nachmittag etwas vornehme, muss daraus keine ganze Stadtrunde werden. Ein Ziel kann reichen. Man muss nicht noch zwei Dinge anhängen, nur weil sie ungefähr auf dem Weg liegen.
Für mich ist ein überschaubarer Plan angenehmer als ein voller. Nicht weil eine kurze Strecke immer einfach wäre. Sondern weil man leichter überblickt, was zu klären ist.
Dieser Text beschreibt eine Art zu planen. Er ist kein Bericht über eine bestimmte Fahrt und keine Empfehlung für eine bereits getestete barrierefreie Route.
Hinweg und Rückweg zusammen ansehen
Beim Ziel sieht man schnell, was einen interessiert. Der Rückweg bekommt manchmal erst Aufmerksamkeit, wenn man ihn antreten muss. Ich würde beides vorher zusammen ansehen.
Wie kommt man hin? Was muss mit? Ist beim Zurückfahren noch derselbe Weg möglich? Wenn ein Gegenstand mitgenommen wird, bleibt er womöglich genauso schwer, falls er nicht repariert werden konnte. Ein gutes Ergebnis sollte nicht nötig sein, damit man wieder vernünftig nach Hause kommt.
Auch eine Pause darf Teil des Vorhabens sein. Dafür braucht man aber eine verlässliche Möglichkeit, nicht nur die Hoffnung, dass irgendwo schon ein Platz sein wird. Unbekanntes lässt sich vorab fragen. Es muss nicht als Überraschung im Plan stehen bleiben.
Ein kurzer Weg kann außerdem die Freiheit lassen, früher umzudrehen. Für mich ist das keine misslungene Unternehmung. Eine Änderung des Plans ist manchmal einfach eine brauchbare Entscheidung.
Ein Aufzug im Plan ist noch kein Aufzug im Betrieb
Bei einer Fahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln würde ich die aktuellen Informationen kurz vor dem Losgehen prüfen. Die VGF bündelt Hinweise zu barrierefreiem Reisen, darunter Informationen zu Aufzügen, Fahrtreppen und Reiseplanung.
Daraus lässt sich keine Zusage ableiten, dass jede Verbindung zu jeder Zeit funktioniert. Die Angaben müssen zur konkreten Fahrt passen. Eine allgemeine Linienkarte kann diese Prüfung nicht ersetzen.
Ebenso wenig verrät die Verkehrsverbindung schon alles über das Ziel. Ob eine Eingangsstufe vorhanden ist, wo man warten kann und ob ein Zugang geeignet ist, sind eigene Fragen. Ich würde eine fehlende Angabe nicht automatisch als gute Nachricht verstehen.
Bei einem Repair Café in Frankfurt kommen noch Termin, Annahme und Gegenstand hinzu. Wenn diese Dinge ungeklärt sind, macht auch der kurze Weg den Plan nicht fertig.
Zusammen heißt nicht über jemanden hinweg
Wenn Julian und ich etwas vorhaben, möchte ich über das Vorhaben mitentscheiden können. Dass jemand den Weg recherchiert hat, beantwortet noch nicht die Frage, ob ich gerade Lust darauf habe.
Man kann einen Vorschlag gut finden und ihn trotzdem auf einen anderen Tag verschieben. Auch dann war die Recherche nicht umsonst. Sie darf nur nicht zu einem Auftrag werden, den man jetzt gefälligst ausführen muss.
Dasselbe gilt für einen Blogtext. Ein geplanter Weg ist keine absolvierte Runde. Ein besuchter Ort ist noch keine freigegebene Geschichte. Diese Unterschiede möchten wir hier beibehalten.
Eine schöne Werkstatt oder ein interessanter Flohmarkt muss deshalb nicht auf jeder Liste landen. Lieber ein passender Anlass, ein geklärter Weg und genug Spielraum für den Rest.
Und wenn es bei einer kurzen Runde bleibt, war es eben eine kurze Runde.

