Gemeinsam basteln, ohne dass etwas fertig werden muss
Helga Staab über gemeinsame Zeit an der Werkbank, eigene Entscheidungen und einen Nachmittag, der kein fertiges Projekt vorweisen muss.

Für gemeinsames Basteln brauche ich nicht zuerst ein vorzeigbares Ergebnis. Mich interessiert, womit man sich beschäftigt. Ob man etwas genauer ansieht, eine Idee verwirft oder einen nächsten Schritt findet.
Ich bin Helga Staab, Julians Vater. Gebastelt habe ich schon lange, bevor es diesen Blog gab. Hier möchte ich deshalb nicht bloß als der Vater vorkommen, dem jemand eine Beschäftigung ausgesucht hat. Ich kann selbst sagen, worauf ich Lust habe. Auch darauf, heute lieber etwas anderes zu machen.
Das klingt selbstverständlich. Im Schreiben möchte ich es trotzdem festhalten. Ein gemeinsames Vorhaben ist nur dann gemeinsam, wenn beide darüber mitentscheiden können.
Ein kleiner Anfang ist genug
Man muss sich nicht gleich ein ganzes Gerät vornehmen. Ein Gegenstand lässt sich betrachten, ohne dass er zerlegt wird. Man kann überlegen, wofür ein Teil gedacht ist. Oder eine Zeichnung machen und feststellen, dass die erste Idee noch nicht passt.
Mir gefällt daran, dass niemand vorher wissen muss, wie weit es kommt. Wird etwas fertig, ist das schön. Bleibt eine Frage übrig, hat der Nachmittag nicht automatisch seinen Zweck verfehlt.
Eine dauernde Vorführung würde ich nicht daraus machen wollen. Für einen Blog braucht man Bilder und Texte. Für gemeinsame Zeit braucht man nicht bei jedem Handgriff eine Kamera. Wenn eine Notiz entsteht, soll sie neben dem Tun möglich sein. Sie soll nicht bestimmen, was man tut.
Die Verbindung von Reparieren und Zusammensein ist auch außerhalb unserer Werkbank ein Thema. Ein älterer ZEIT-Beitrag über Repair Cafés stammt aus 2017. Für aktuelle Frankfurter Angebote ist er kein Wegweiser.
Hilfe darf abgesprochen sein
Wenn jemand Unterstützung anbietet, ist noch nicht entschieden, wie die aussehen soll. Vielleicht ist ein zweites Paar Hände nützlich. Vielleicht eine bessere Erklärung. Vielleicht möchte ich es erst selbst versuchen.
Ich finde eine kurze Frage angenehmer als einen schnellen Griff über den Tisch. Dabei geht es nicht darum, auf Unterstützung grundsätzlich zu verzichten. Es geht darum, beteiligt zu bleiben.
Ebenso muss man kein Projekt fortsetzen, nur weil es einmal begonnen wurde. Ein Zwischenstand lässt sich aufschreiben. Ein Teil lässt sich ordentlich weglegen. Das ist mir lieber als die Vorstellung, man müsse gemeinsame Zeit durch ein fertiges Objekt rechtfertigen.
Beim nächsten Mal wieder anzufangen, darf eine Möglichkeit bleiben. Es muss kein stiller Auftrag sein, der den ganzen Nachmittag auf dem Tisch liegt.
Nicht alles ist eine Geschichte
Julian schreibt hier über seinen Alltag mit mir. Ich schreibe meine eigenen Notizen. Daraus entsteht noch keine Erlaubnis, jede Situation öffentlich zu erzählen. Eine Bemerkung am Tisch ist nicht automatisch ein Zitat für die nächste Überschrift.
Ich möchte, dass das auch für schöne Geschichten gilt. Gerade eine freundliche Absicht kann leicht darüber hinweggehen, ob jemand überhaupt erzählt werden möchte. Eine Zustimmung lässt sich vorher klären. Man braucht nicht erst einen besonders persönlichen Text fertigzustellen und dann auf Zustimmung zu hoffen.
Wer hier unsere Vorstellung liest, soll deshalb zwei Menschen kennenlernen, ohne dass daraus ein Anspruch auf den Rest unseres Lebens wird.
Für die Werkbank wünsche ich mir etwas Ähnliches: genug Platz für einen eigenen Versuch. Und für einen Gegenstand, der bis morgen liegen bleiben kann.


